Sicher durch die Lüfte

Obwohl die Passagierzahlen kontinuierlich steigen, ist 2017 die Zahl der tödlich Verunglückten in Flugzeugen nochmals gesunken. Wie erreicht der Luftverkehr ein so hohes Maß an Sicherheit?

Fliegen war 2017 rund 350 Mal sicherer als in den 1970er-Jahren. Foto: Fotolia / phaisarnwong2517

Fliegen war 2017 rund 350 Mal sicherer als in den 1970er-Jahren. Foto: Fotolia / phaisarnwong2517

Sicherheit wird im Flugverkehr vielfach überprüft           

„Sicherheit hat für alle am Luftverkehr Beteiligten absolute Priorität“, betont Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Das gelte für die Sicherheit im eigentlichen Flugbetrieb wie auch für die Abwehr von gezielten äußeren Gefahren. „Die Flugzeughersteller und die Unternehmen der Luftverkehrswirtschaft tun in enger Kooperation mit Behörden und mit der Politik alles dafür, dass das Fliegen sicher bleibt“, sagt von Randow.

So ist zum Beispiel die Wartung und Instandhaltung eines Verkehrsflugzeugs in nationalen und internationalen Bestimmungen geregelt. Darüber hinaus gibt der Hersteller zu jedem einzelnen Flugzeugtyp genau vor, wann spätestens welche Komponente wie gewartet werden muss – abhängig unter anderem von der Zahl der Flüge respektive der abgeleisteten Flugzeit. Zudem können die Behörden gewisse Maßnahmen anordnen. Meldet der Pilot einen Fehler, so ist es Aufgabe der Technik, die Ursache hierfür zu beheben. Dass alles ordnungsgemäß eingehalten wurde, bestätigt etwa in Deutschland für jedes Flugzeug einmal im Jahr das Luftfahrtbundesamt mit dem „Airworthiness Review Certificate“ (ARC).

Quelle: Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre (JACDEC), Hamburg

„Der globale Luftverkehr hat eine Vielzahl an Verfahren entwickelt, mit denen er den alltäglichen Gefahren begegnen kann“, bestätigt auch Nikolaus Braun, Langstreckenpilot bei einer großen deutschen Fluggesellschaft. Ein Kerngedanke etwa bei der Konstruktion von Flugzeugen sei die „Redundanz“. Soll heißen: Alle wichtigen Teile, seien es einzelne Schrauben oder komplexe Systeme, sind mindestens doppelt ausgelegt, in besonderen Fällen sogar dreifach. „Fällt ein Teil aus, kann das verbleibende System die Funktion sicherstellen“, erläutert der studierte Diplom-Ingenieur für Luftfahrtsystemtechnik und -management, der in der Serie „Antworten aus dem Cockpit“ des Branchenportals www.airliners.de regelmäßig Fragen zu Themen rund um Luftfahrttechnik und Flugbetrieb auf den Grund geht.

Piloten müssen sich zweimal pro Jahr im Simulator beweisen

Wie Braun weiter ausführt, ist die „ideale Airline“ auch bestrebt, jeglichen Druck von den Besatzungen zu nehmen: „Die Piloten müssen die Möglichkeit haben, jederzeit die notwendigen Maßnahmen treffen zu können, um einen sicheren Flug zu gewährleisten.“ Der Kollege Autopilot sei in diesem Gesamtkontext übrigens Freund und Feind – einerseits nehme er viel Arbeit ab, andererseits reduziere sein dauernder Einsatz das Üben der handwerklichen Fähigkeiten. Zweimal im Jahr müssen die Piloten daher im Simulator einem Prüfer beweisen, dass sie noch alle Verfahren beherrschen und das tun, was jeder Passagier sich erhofft: das Flugzeug sicher landen.

 

Annette Wiedemann. Foto: Roland Vorlaufer

Interview: Drei Fragen an Annette Wiedemann, Leiterin Aviation Services und DEKRA Cargo & Security Services GmbH

Das Verkehrsaufkommen nimmt auch in der Luft stetig zu. Welche Auswirkungen hat das auf die Sicherheit im Luftverkehr?

Die Sicherheit im Luftverkehr ist klar geregelt und das steigende Verkehrsaufkommen ändert daran nichts. Um dem Passagieraufkommen gerecht zu werden, ist eine enge Abstimmung zwischen den zuständigen Behörden, den Dienstleistungsunternehmen und den Flughäfen unabdingbar. Projekte an verschiedenen Airports lieferten bereits gute Erkenntnisse, wie Kontrollstellen einen gesteigerten Durchsatz gewährleisten könnten. Aber auch Passagiere können dazu beitragen, indem sie zum Beispiel unaufgefordert Jacken ausziehen und elektronische Geräte aus der Tasche nehmen.

Welche Rolle übernimmt dabei DEKRA Aviation?

Wir schulen das in der Luftsicherheit tätige Personal, bilden dieses fort, unterstützen Unternehmen bei der Etablierung sicherer Prozesse und schreiben deren Luftsicherheitsprogramme. Außerdem führen wir an einem großen Flughafen in Deutschland Sicherheitstests durch, indem unsere Mitarbeiter kontrolliert Situationen simulieren und beispielsweise mit falschen Ausweisen oder Bordkarten versuchen, Sicherheitsbereiche zu betreten.

Welche Kontrollmechanismen und Kontroll­metho­den werden angewendet, um die Sicherheit von Passagieren und Fracht zu gewährleisten?

Für Passagiere werden unter anderem die Torsonde oder Sicherheitsscanner eingesetzt. Handgepäck, mitgeführte Gegenstände sowie Reisegepäck werden geröntgt. Beim Handgepäck zufällig ausgewählter Passagiere werden zusätzlich Sprengstofftests durchgeführt. Mehr als 50 Prozent der Luftfracht wird auf Passagierflugzeugen befördert und besonders kontrolliert, wenn die sichere Lieferkette nicht greift. Für die Kontrolle setzen reglementierte Beauftragte zum Beispiel Röntgengeräte, aber auch Sprengstoff-Spür­hunde ein.

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