Hochspannung garantiert

Elektroautos sind selbst für gestandene Werkstattprofis häufig Neuland. Damit sie einem Stromer überhaupt mit dem Werkzeug zu Leibe rücken dürfen, ist die richtige Qualifikation gefragt. DEKRA hat dazu diverse Weiterbildungen aufgelegt.

Die spezielle Qualifikation erfordern Suche und Diagnose von Störungen am HV-System. Foto: ProMotor/Volz

Die spezielle Qualifikation erfordern Suche und Diagnose von Störungen am HV-System. Foto: ProMotor/Volz

Ein Elektroauto ist auch nur ein Auto. Wie seine konventionellen Geschwister braucht es Wartung und Pflege, gelegentlich eine Reparatur. Die Reifen wechseln? Die Motorhaube lackieren? Einen Steinschlag in der Windschutzscheibe beseitigen? Die Bremsbeläge erneuern? Für solche Jobs brauchen Fachbetriebe eigentlich keine Überflieger. Allerdings haben Elektroautos und Hybride elektrotechnische Bauteile an Bord, die mit Spannungen von mehr als 60 Volt Gleichspannung oder 25 Volt Wechselspannung aufwarten. Für den unbedarften Schrauber sind diese Hochvolt-Systeme (HV-Systeme) eine Gefahrenquelle. Wenn der Mechaniker mit dem Akku-Schrauber ein orangefarbenes Kabel anbohrt, kann es zu einem Lichtbogen kommen, der Temperaturen von über 1000 Grad Celsius entwickelt. In diesem Fall besteht akute Lebensgefahr. Ein Werkstatt-Profi muss also genau wissen, wo sich die HV-Komponenten und Leitungen im Elektrofahrzeug befinden und wie sie gekennzeichnet sind.

Unterweisung auf der virtuellen Schulbank

Für Autowerkstätten, Karosserie- und Lackierbetriebe, Autoglaser und Reifendienstleister sollte die Marschrichtung klar ein. Die Betriebe müssen sicherstellen, dass das Personal die geeignete Qualifikation für die Arbeit an Fahrzeugen mit Hochvolt-System besitzt. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) macht dazu klare Vorgaben. Bei einem Azubi, der das Fahrzeug bedienen, Scheibenwischer tauschen und Waschwasser auffüllen soll, genügt demnach eine einfache Einweisung. Deutlich anspruchsvoller ist die Qualifikation der Profis zur „elektrotechnisch unterwiesenen Person“ (EuP). Die Bezeichnung besagt, dass der Mitarbeiter die Gefahrenquellen im Fahrzeug, die Schutzmaßnahmen und Verhaltensweisen kennt. Mit der Unterweisung kann ein Mechaniker alle nichtelektrischen Arbeiten am Fahrzeug durchführen. Dazu zählen auch die Arbeiten am herkömmlichen Bordnetz. Außen vor bleiben die Hochvolt-Komponenten und die orangefarbenen Leitungen. Hier heißt es: Finger weg.

Die elektrotechnische Unterweisung ist Voraussetzung für Standardjobs am Elektroauto. Foto: ProMotor/Volz

Die elektrotechnische Unterweisung ist Voraussetzung für Standardjobs am Elektroauto. Foto: ProMotor/Volz

Der Aufwand für die elektrotechnische Unterweisung ist überschaubar. Es reicht, wenn die Mitarbeiter dazu die virtuelle Schulbank drücken. DEKRA bietet im Safety-Web-Portal einen Online-Kurs mit Prüfung an, der sich in zwei Stunden über die Bühne bringen lässt. Die Werkstätten müssen dokumentieren, dass die Mechaniker die vorgeschriebene Unterweisung tatsächlich absolviert haben. Unter Umständen ist für einen Fachbetrieb die Unterweisung jedoch nur die halbe Miete. Schließlich sind auch bei einem Elektroauto früher oder später elektrotechnische Arbeiten am Hochvolt-System fällig. Steht zum Beispiel der Tausch einer Komponente an, ein neuer Inverter, ein Klimakompressor oder sogar ein kompletter Akku, dann braucht es dazu einen Spezialisten, genauer: den Fachkundigen für Hochvolt-Systeme. Nur dieser Fachkundige kann das HV-System ordnungsgemäß spannungsfrei schalten, bevor er sich ans Werk macht.

DEKRA macht Kfz-Profis zu Fachkundigen für Hochvolt-Systeme

DEKRA hat ein Seminarkonzept entwickelt, das gestandenen Kfz-Profis eine sichere und effiziente Weiterbildung zum Fachkundigen für HV-Systeme ermöglicht. Den Auftakt macht ein Web-Based-Training. Darin machen sich die Absolventen mit den Anforderungen und Vorgaben für die Arbeit mit Elektroautos und Hybriden vertraut. Ein Schwerpunkt des Selbststudiums sind die elektrotechnischen Grundlagen. Das Know-how wird am Ende des Moduls in einer Online-Prüfung abgefragt. Wer die Prüfung besteht, hat damit die Eintrittskarte für den zweiten Teil der Weiterbildung in der Tasche. Diese umfasst eine eintägige Präsenzphase mit zwei Blöcken zu jeweils vier Unterrichtseinheiten. Im theoretischen Teil stehen das HV-Konzept, die Fahrzeugtechnik und die Schutzmaßnahmen auf dem Programm. Im praktischen Teil geht es unter anderem darum, wie man ein HV-System spannungsfrei schaltet, gegen Wiedereinschalten sichert und die Spannungsfreiheit feststellt.

Der Fachkundige für HV-Systeme macht sich mit geeigneter Schutzausrüstung ans Werk. Foto: ProMotor/Volz

Der Fachkundige für HV-Systeme macht sich mit geeigneter Schutzausrüstung ans Werk. Foto: ProMotor/Volz

Die Suche und Diagnose von Störungen am HV-System ist die Königsdisziplin

Allerdings gibt‘s auch für den Fachkundigen für HV-Systeme in der täglichen Arbeit mit Elektroautos gewisse Grenzen. Bei der Suche und Diagnose von Störungen am Hochvolt-System sowie der sicherheitstechnischen Überprüfung vor der erneuten Inbetriebnahme muss er letztlich passen. Diese Fertigkeiten machen weitere Qualifikationen nötig. Auch dazu bietet DEKRA die passenden Schulungen an. Hier stehen vor allem praktische Aufgaben im Umgang mit einem HV-System im Mittelpunkt. In der letzten Stufe vermitteln sie die Besonderheiten, die beim Arbeiten unter Spannung zu berücksichtigen sind.

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