Konnektives Spielzeug auf dem Vormarsch

Videospiele, App-vernetzte Spielzeuge oder programmierbare Roboter: die spielerische Erlebniswelt bekommt durch die virtuelle Erweiterung eine neue, faszinierende Dimension.

Junge spielt mit Tablet und Autos. Foto: Fotolia - Sharomka

Der Trend der Produktgruppe elektronisches Spielzeug ist nicht aufzuhalten. Foto: Fotolia – Sharomka

Spätestens seit der Puppe „My Friend Cayla“ des britischen Herstellers Genesis, die 2017 als „Wanze im Kinderzimmer“ für Aufsehen sorgte, ist die Konnektivität von Spielzeug auch eine Sache der Sicherheit. Die smarte Puppe Cayla konnte Ton- und Bilddaten aufzeichnen und via Internetverbindung weitergeben. Zudem war es Außenstehenden möglich, per Bluetooth sich mit dem Spielzeug zu verbinden und dadurch Zugriff auf das Mikrofon und die Kamera der Puppe zu erhalten. „Was die Sache so gefährlich macht, ist, dass man bei einem Spielzeug die Gefahr nicht vermuten würde. Es gibt Risiken, die man als Benutzer oder Käufer deshalb nicht abschätzen kann, weil sie so tief in der Funktionalität des Produkts hinterlegt, oder gar absichtlich versteckt sind“, sagt Daniel Marx, Teamleiter Spielzeug bei DEKRA Testing and Certifcation GmbH.

Der Trend zu elektronischem Spielzeug ist nicht aufzuhalten

Dennoch ist der Trend der Produktgruppe elektronisches Spielzeug nicht aufzuhalten. Auf der weltweit größten Spielwarenmesse in Nürnberg ist seit dem vergangenen Jahr dieser Spielzeugkategorie eine eigene Messehalle gewidmet. Erwachsenen und Kindern wird technologische Innovation spielerisch vermittelt. Edukatives Spielzeug wie Programmierbaukästen, vereinen testen, spielen und erleben zu Lerneffekten und sind deshalb aus der Spielwarenbranche nicht mehr wegzudenken. Allerdings kritisieren Kinder- und Jugendschützer den mangelnden Datenschutz, die Tracking-Funktionen, die Eltern zur Ortung ihrer Kinder nutzen könnten, ungesicherte Bluetooth-Verbindungen oder auch versteckte In-App-Kaufmöglichkeiten, welche die diesjährigen Spielzeugtrends mit sich bringen.

Daniel Marx, Teamleiter Spielzeug. Foto: DEKRA

Daniel Marx, Teamleiter Spielzeug. Foto: DEKRA

„Es gibt bei uns in Europa für jedes Spielzeug die Spielzeugrichtlinie. Diese Richtlinie legt generell Anforderungen fest, was die Sicherheit angeht, wie zum Beispiel, dass nichts abreißen sollte, was für kleine Kinder potenziell gefährlich sein kann oder auch die chemischen Anforderungen“, erläutert Marx und fügt hinzu: „Bei digitalem Spielzeug kämen Gefahren hinzu, die weder in der Spielzeugrichtlinie noch in den entsprechenden Normen, die in Europa harmonisiert sind, festgehalten sind.“ Schäden, die durch Internetkonnektivität potenziell entstehen, seien mittelbare Risiken und daher von solchen Regelwerken nicht erfasst. Allerdings müssen die Spielzeughersteller, wenn sie ein Produkt auf dem Europäischen Markt vertreiben wollen, eine Sicherheitsbewertung durchzuführen. Diese muss Risiken abwägen und bewerten, die sich auf den vorgesehenen oder vorhersehbaren Benutzer ergeben. So muss zum Beispiel ein Spielzeug, das für ältere Kinder vorgesehen ist, mit einem Warnhinweis versehen sein, sollte es für jüngere Kinder nicht sicher sein.

„Ein Hersteller muss die Konformität eines Spielzeugs mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie nachweisen können. Dazu muss er ein Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen“, erklärt der Teamleiter. Größere Hersteller hätten die Möglichkeit, dieses und die dazugehörige Dokumentation in ihren eigenen Laboren zu erstellen. Kleinere Firmen greifen auf die externe Expertise von DEKRA Testing and Certifcation zurück. In den USA unterliegen die Spielzeughersteller dagegen einer Prüfpflicht, der sie mithilfe eines akkreditierten Labors nachkommen müssen.

Hersteller bleiben für ihr Produkt verantwortlich

Für die Hersteller ergibt sich somit eine vielfältige Risikobetrachtung. Dieser Komplexität könne man mit der Expertise, die sich aus verschiedenen Fachrichtungen zusammensetzt, begegnen, so Marx. „Die Möglichkeiten, die ein globaler Konzern wie DEKRA sie hat, können dazu genutzt werden, um alle Fakultäten wie IT-Experten, Datenschützer, Prüfingenieure, mit ins Boot zu holen.“ Der Wunsch der Verbraucher und auch der Hersteller nach Innovationen und der Nutzung beziehungsweise Einbindung der neuen Technologie sei verständlich. Die Verbreitung der Smartphones und Tabletts ermöglicht es, diese als Teilplattform zu verwenden, um beispielsweise Spielzeug zu steuern. Gleichzeitig müssen die Hersteller bedenken, dass sie immer für ihr Produkt verantwortlich bleiben. Natürlich sei die Betrachtung von mittelbaren Risiken eine theoretische, „aber genau solche Dinge sind es, die man als Hersteller bei der Risikobetrachtung berücksichtigen muss.“

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