Digital und grün

IT spielt eine Schlüsselrolle in der Nachhaltigkeitsstrategie vieler Unternehmen. Sie sorgt für die relevanten Daten und ermöglicht digitalisierte Prozesse. Dank der Cloud lässt sie sich auch selbst energieeffizient nutzen.

Auch die IT kann einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Grafik: ETM

Die Digitalisierung schreitet in allen Branchen voran. Der zunehmende Einsatz von IT eröffnet unzählige neue Möglichkeiten. Doch gleichzeitig verbrauchen die Systeme auch große Mengen an Energie. Aus Nachhaltigkeitsperspektive ist das eine Herausforderung.

Und diese Sichtweise wird zunehmend relevanter, denn die Bedeutung von Nachhaltigkeit wächst. 38 Prozent der deutschen Unternehmen verfügen nach eigenen Angaben bereits über einen unternehmensweiten Nachhaltigkeitsansatz, weitere 40 Prozent zumindest über einzelne Programme. Dies sind Ergebnisse einer Studie des Marktforschungshauses IDC, das branchenübergreifend 200 Firmen in Deutschland mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt hat. 80 Prozent der Befragten geben dabei an, dass die Pandemie der Bedeutung von Nachhaltigkeit noch mal einen deutlichen Schub gegeben habe.

Wie und ob die IT als Energiefresser im Unternehmen betrieben wird, entwickelt sich somit zu einer wichtigen Frage. Eine Antwort darauf ist die Cloud. Wer seine Systeme auf die Server eines Cloud-Anbieters verschiebt, reduziert damit auch den Energieverbrauch im eigenen Rechenzentrum. Die in der IDC-Studie befragten Unternehmen sehen in der Senkung der Energiekosten sowie der Verbesserung des CO2-Fußabdrucks die größten Nachhaltigkeitsvorteile, wenn die Cloud als Betriebsmodell gewählt wird.

Cloud-Provider sparen Energie

Doch das Problem wird nicht einfach nur verschoben. Da sich in einem Cloud-Rechenzentrum viele Firmen die Ressourcen teilen, ist der Betrieb der IT insgesamt effizienter. Zudem ist dies die Kernkompetenz der Anbieter. Es liegt schon in deren ureigenstem Interesse, das Rechenzentrum möglichst energieeffizient und somit kostensparend zu betreiben. Darauf setzen auch die Anwenderunternehmen. Laut Studie sind 60 Prozent der Meinung, dass die großen Anbieter von Cloud-Rechenzentren diese nachhaltiger betreiben könnten, als sie selbst dazu in der Lage seien. Die Stärken sehen sie vor allem in der Nutzung der energieeffizientesten Technologie, von erneuerbaren Energiequellen sowie durch eine höhere Serverauslastung. Hinzu kommt, dass auch die Software speziell auf den Einsatz in der Cloud angepasst ist.

Große Provider können dies mit entsprechenden Zahlen bestätigen. So hat zum Beispiel Microsoft seine Energieeffizienz berechnet – anhand von vier Cloud-Anwendungen, die zusammen für den meisten Energieverbrauch in den hauseigenen Rechenzentren verantwortlich sind. Ziehe man hier die Nutzung erneuerbarer Energien in Betracht, sei die Microsoft Cloud bezüglich des CO2-Ausstoßes um 72 bis 98 Prozent effizienter als herkömmliche Firmenrechenzentren, heißt es von Anbieterseite.

DEKRA reduziert Papierverbrauch

Auf diese Vorteile setzt auch DEKRA. Das Unternehmen hat einen großen Teil seiner IT-Leistungen in die Cloud von Microsoft ausgelagert (siehe Interview mit CIO Holger Ewald). In der Cloud werden auch Prozesse betrieben, welche DEKRA sukzessive digitalisiert hat. Damit zeigt dieses Beispiel, dass IT ein probates Mittel ist, um Nachhaltigkeit in der eigenen Organisation voranzutreiben. So berichtet CIO Holger Ewald, dass er die Digitalisierung von Prozessen ganz bewusst aus dem Nachhaltigkeitsgedanken heraus als Leitmotiv für jede seiner Abteilungen ausgegeben habe. „Das heißt konkret, dass jede Abteilung pro Jahr zwei der global eingesetzten Abläufe digitalisieren muss“, sagt Ewald. Ziel sei es unter anderem, dadurch den Verbrauch von Papier und Toner massiv zu reduzieren. Dabei verfolgt DEKRA eine Zero-Printer-Strategie, die dazu führen soll, dass „keine Rohstoffe mehr für Ausdrucke verwendet werden“, wie Ewald erklärt.

Die Experten des Marktforschers IDC sehen die IT in einer Schlüsselrolle, weil sie unter anderem als Grundlage für innovative Prozesse mit positiven Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit dienen könne. Hinzu komme, dass mittels Datenverarbeitung und -analysen Nachhaltigkeitsinitiativen effektiv begleiten werden könnten. Denn dafür müssen Informationen aus vielen verschiedenen Abteilungen und Systemen gesammelt und ausgewertet werden. Optimale Entscheidungen in Sachen Nachhaltigkeit brauchen eine möglichst breite Datenbasis.

Dashboards geben Überblick

Für diese sorgen Software-Werkzeuge. So nutzt DEKRA eine Data-Analytics-Plattform, um die für die Nachhaltigkeit relevanten Daten aus dem gesamten Unternehmen zusammenzuführen und zu analysieren. Diese Plattform sei in der Lage, extrem große Datenmengen zu verarbeiten, betont Ewald. „Außerdem stellen wir Dashboards zur Verfügung, die den zuständigen Mitarbeitern ein Monitoring der Nachhaltigkeitsinitiativen ermöglichen.“

Grundsätzlich sieht Ewald einen großen Vorteil darin, dass DEKRA selbst Services für seine Kunden anbietet, um deren Nachhaltigkeit zu attestieren und zertifizieren. „Dadurch haben wir viel Kompetenz und eine besondere Perspektive auf das Thema, die wir für unsere eigenen Nachhaltigkeitsinitiativen nutzen können.“

Das trägt Früchte. So hat etwa EcoVadis – ein Anbieter von Nachhaltigkeitsbewertungen für Unternehmen – DEKRA zum zweiten Mal in Folge mit einer Platinum-Medaille ausgezeichnet.  Damit gehört die Expertenorganisation zu den Top-1-Prozent der bewerteten Unternehmen vergleichbarer Kategorie. Und die IT hat dazu in vielfältiger Form ihren Beitrag geleistet.

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„Wir verfolgen eine Hybrid-Cloud-Strategie“

DEKRA CIO Holger Ewald erklärt, welche Rolle das neue Rechenzentrum sowie Cloud Computing in der Nachhaltigkeitsstrategie von DEKRA spielen.

Holger Ewald, DEKRA CIO. Foto: DEKRA

Herr Ewald, der Energieverbrauch der IT ist ein entscheidender Faktor, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wie adressiert DEKRA dieses Thema?

Ewald: Wir haben 2020 den Beschluss gefasst, unser Rechenzentrum von Stuttgart nach Frankfurt zu verlagern. Und im Zuge dessen haben wir auch dafür Sorge getragen, dass die Art der Energievorhaltung dort den neuen Standards gehorcht. So setzen wir zum Beispiel die Kyoto-Kühlung ein, die besonders energiesparend ist. Sie allein sorgt dafür, dass das neue Rechenzentrum 25 Prozent weniger Strom verbraucht als das alte. Diese Einsparungen sind auch eingeflossen in unsere Nachaltigkeits-KPIs, die vom Vorstand vorgegeben wurden.

Welche Rolle spielt das Cloud Computing in Ihrer Strategie?

Ewald: Eine sehr große. Wir verfolgen eine Hybrid-Cloud-Strategie. Das heißt, wir betreiben selbst Applikationen im eigenen Rechenzentrum und nutzen Anwendungen sowohl in der Private als auch in der Public Cloud. Unser Cloud-Anbieter ist Microsoft, der seit 2012 auf eine Net-Zero-Strategie setzt. Microsoft will bis 2025 zu 100 Prozent erneuerbare Energie nutzen und bis 2030 Zero Waste erreichen. Indem wir die Cloud-Services von Microsoft nutzen, zahlen diese Initiativen auch auf unsere Werte ein.

Wie weit sind Sie in Ihrer Cloud-Strategie bisher gekommen?

Ewald: In einem ersten Schritt haben wir die im weltweiten Kontext bereits vereinzelt in der Cloud befindlichen Subskriptionen zentralisiert und mittels eines Cloud Governance Templates auf den benötigten Security-Standard gebracht. Im Anschluss wurden dann bestehende Verfahren analysiert und gemäß der internen Policys entweder in das DEKRA On-Prem Rechenzentrum oder die zentrale DEKRA Azure Umgebung migriert. Welchen Weg eine Migration nimmt, wird entlang der Architektur entschieden, um sowohl rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen zu würdigen, aber wo möglich und sinnvoll, die Flexibilität und kurze Go-To-Market-Zeiten realisieren zu können. Aber es gibt noch eine Menge zu tun. Es gibt über 1.600 Applikationen, die zum Teil noch in den einzelnen Ländern laufen, die nun sukzessive cloudifiziert werden, um unsere Nachhaltigkeit weiter zu verbessern.

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