Schlaglöcher: Ford entwickelt Frühwarnsystem

Schlaglöcher in den Straßen verursachen europaweit Schäden in Milliardenhöhe. Ford will nun ein Echtzeit-Warnsystem entwickeln.

Das Ford Research and Innovation Center in Aachen experimentiert mit Bord-Kameras und Modems, die im Zusammenspiel während der Fahrt detaillierte Informationen über Schlaglöcher sammeln. Bild: obs/Ford-Werke GmbH

Eine kurze Unaufmerksamkeit, schon ist es geschehen – ein Knall, ein heftiger Schlag und der Autobesitzer ist im Zweifelsfall um mehrere hundert Euro ärmer. Schlaglöcher sind ein immer häufigeres Problem nicht nur im Süden Europas, auch in Deutschland nehmen die Beschädigungen der Straßendecke immer mehr zu. Dabei sind es nicht nur die von Frostschäden oder schlichtem Verschleiß verursachten Schlaglöcher, die zur Gefahr für die Fahrzeuge werden. Auch bauliche Mängel können zu brenzligen Situationen führen. So wurde in Bayern ein Motorradfahrer getötet, als sich der Fahrbahnbelag eines Autobahnabschnitts wegen großer Hitze gegeneinander verschob und aufbrach.

Schlaglöcher in der Cloud

Ford hat nun am Aachener „Ford Research and Innovation Centre“ Forschungsarbeiten aufgenommen, deren Ziel ein Warnsystem mit Echtzeit-Meldungen sowie einer digitalen Kartierung von Straßenschäden sind. Die Daten sollen dabei über die Bordkameras gesammelt werden, welche inzwischen in fast allen modernen Neuwagen installiert sind, um Assistenzsysteme zu steuern. Erkennt die Kamera ein Schlagloch oder eine andere große Beschädigung der Fahrbahn, wird die Meldung automatisch in eine Online-Datenbank hochgeladen. Aus dieser Daten-Cloud können die virtuellen Schlaglochkarten in Echtzeit auf die Informations-Displays anderer Autos übertragen werden. Bei größeren Schadensumfängen berechnet das System dann sogar eine alternative Ausweichroute. Sowohl Autobesitzer als auch Versicherer würden von dieser Technologie profitieren, noch im Laufe des Jahres will Ford mit ersten Praxistests beginnen. Durchschnittlich verzeichnen die Versicherer rund 500 Euro Kosten pro Schlaglochschaden, so der Autohersteller.

Nachdem bereits einige Modelle serienmäßig mit der notwendigen Erfassungs- sowie Sende- und Empfangstechnik ausgestattet sind, will Ford baldmöglichst in die Felderprobung einsteigen. Geplant ist dabei nicht nur die Kartierung von und die Warnung vor Schlaglöchern. Gleichzeitig sollen auch moderne adaptive Fahrwerke so konditioniert werden, dass sie bei einem Schlagloch mit einer entsprechenden Stoßdämpfereinstellung reagieren, um mögliche Schäden zu minimieren. Für die Forschungsarbeiten nutzt Ford auch die Daten einer 1,9 Kilometer langen Teststrecke auf dem Lommel Proving Ground in Belgien, wo einige der schlimmsten Schlaglochpisten der Welt nachgebildet wurden.

Via Ford

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