Tankstelle der Zukunft – Ladestrom vom Bäcker?

Die Zukunft der Tankstelle wird wohl nicht mehr allein in den Händen der Mineralölkonzerne liegen. Gerade der batterieelektrische Antrieb bringt neue Akteure aufs Spielfeld. Aber was macht die Zukunftsfähigkeit einer Tankstelle überhaupt aus? Wir werfen einen Blick auf neue Trends und Technologien für die Tankstelle der Zukunft.

Die Tankstelle der Zukunft bietet mehr als Antriebsstoffe. Foto: Shutterstock - Marcel van de Bos, kmls. Montage: Monika Haug
 Die Zukunft der Tankstelle wird nicht nur in den Händen der Mineralölkonzerne liegen. Foto: Shutterstock – Marcel van de Bos, kmls. Montage: Monika Haug

Die Formel für die Tankstelle der Zukunft ist so einfach wie logisch: Sie wird für jede Antriebstechnologie genau die Energien bereitstellen, die für eine Weiterfahrt nötig sind. Was aber, wenn immer mehr Fahrzeuge auf elektrischen Katzenpfoten zur Ladesäule schleichen? Gut möglich, dass die Zukunft der Tankstelle dann neu verhandelt werden muss. Schon heute bringt der batterieelelektrische Antrieb neue Player aufs Spielfeld. Warum also den Strom fürs Elektroauto nicht beim Bäcker beziehen? Im nordrhein-westfälischen Hilden ist das seit Anfang Oktober möglich. Der Bäckerei-Unternehmer Roland Schüren hat am Autobahnkreuz Hilden zwischen A 3 und A 46 einen der modernsten Ladeparks Europas auf die Wiese gestellt. Die elegante Stromtankstelle mit Photovoltaikanlage und Hochleistungsspeichern stellt in der aktuellen Ausbaustufe unter anderem knapp 30 Schnellladesäulen der Anbieter Tesla und Fastned mit Ladeleistungen bis zu 300 Kilowatt zur Verfügung. Eine Tankstelle der Zukunft könnte aber auch die Ladeinfrastruktur zum Fahrzeug bringen. Volkswagen zum Beispiel hat dazu einen autonomen Laderoboter entwickelt, der in Parkhäusern und Tiefgaragen einen mobilen Energiespeicher am Elektroauto platziert, anschließt und wieder abnimmt, wenn der Ladevorgang beendet ist.

Der Boom der Ladesäulen verlangt auch nach der Expertise von DEKRA

Die Zukunft der Tankstelle wird nicht nur in den Händen der Mineralölkonzerne liegen. Trotzdem dürften sie ein Wörtchen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur mitreden. Der „Masterplan Ladeinfrastruktur“ der Bundesregierung sieht eine Versorgungsauflage vor, die Tankstellenbetreiber in Deutschland dazu bringen soll, eigene Ladepunkte ins Portfolio aufnehmen. Big Player wie Aral, Shell und Total drücken bereits aufs Tempo, um die Kapazitäten auszubauen. Bei Shell hieß es zuletzt, man wolle hierzulande bis Ende 2020 insgesamt 100 Ladesäulen mit 200 Ladepunkten in Betrieb haben.

Die Elektrosachverständigen von DEKRA prüfen in Ladeparks und Stromtankstellen die Installationen an Systemen wie Trafostation und Abschaltschränken. Foto: Ringleb
Die Elektrosachverständigen von DEKRA prüfen in Ladeparks und Stromtankstellen die Installationen an Systemen wie Trafostation und Abschaltschränken. Foto: Michael Ringleb

Wenn dann landauf landab neue Stromtankstellen aus dem Boden sprießen, ist auch die Expertise von DEKRA gefragt. Schließlich ist bei allen Anlagen eine Abnahmeprüfung der technischen Gebrauchsfähigkeit der Ladestationen, Abschaltschränke und Trafostationen angesagt. „Die Sicherheit und Funktionalität der Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge müssen geprüft und überwacht werden. Das ist eine Aufgabe für qualifizierte Fachkräfte“, weiß Michael Ringleb, Produktverantwortlicher Elektrotechnik (ELT) bei DEKRA. Der Elektrosachverständige hat im Rahmen seines Lehrauftrags bereits 25 Kollegen für die Prüf- und Überwachungsaufgaben in den Ladeparks fit gemacht.

Die klassische Tankstelle der Zukunft stellt ihre Kraftstoffe selbst her

Ist also die klassische Tankstelle ein Auslaufmodell? Wie die Tankstelle der Zukunft funktionieren könnte, zeigt ein Blick auf die im Herbst 2017 eröffnete Tank- Rastanlage in Fürholzen West (A9). Unter einem gemeinsamen Dach lässt sich an den Zapfsäulen neben Benzin und Diesel auch Flüssiggas, Erdgas und Wasserstoff zapfen. Für die elektromobile Klientel gibt es vier Schnellader in einem separaten Bereich. Einen Schritt weiter gehen die Forscher von der Eidgenössischen Forschungsanstalt EMPA aus Dübendorf bei Zürich. Ihnen schwebt eine Tankstelle der Zukunft vor, die Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe in einem mehrstufigen chemischen Prozess unter Zufuhr von Öko-Strom selbst erzeugt. Auch das Equipment der Tankstelle dürfte künftig ein anderes sein als heute. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) tüftelt an einer Multienergiezapfsäule, die Strom, Wasserstoff und das Erdgassubstitut Methan aus derselben Anlage mit Hilfe regenerativer Energien bereitstellt.

Neue Technologien prägen künftig das großstädtische Mobilitätszentrum

Die Tankstelle der Zukunft dürfte vor allem in der Großstadt mit neuen Services um Kunden werben. Mit dem Mobility-Hub im Berliner Zentrum zwischen Alexanderplatz und Ostbahnhof macht der Bochumer Kraft- und Schmierstoffanbieter Aral jetzt die ersten Schritte in Richtung Zukunft, in der die Tankstelle als Mobilitätszentrum fungiert. Zur Anlage gehören Ladesäule, Akku-Wechselautomat, Stellplätze für E-Scooter, E-Roller und Carsharing sowie eine DHL-Paketstation. Darüber hinaus testet Aral mit dem Mobility-Hub  ein so genanntes Microgrid, das ultraschnelles Laden bei geringer Netzkapazität erlaubt. Die Anlage wird dabei nicht an das lokale Stromnetz angeschlossen – statt dessen stellt eine lokale Batterie die Ladeleistung zur Verfügung. Auch im Hinblick auf digitale Services an der Tankstelle sind neue Technologien gefragt. In Düsseldorf haben vor Kurzem der Telekommunikationsanbieter Vodafone und Total erstmals eine Tankstelle mit der Mobilfunk-Technologie 5G ausgestattet. Damit lassen sich Daten etwa zehn Mal schneller übertragen als mit einem herkömmlichen DSL-Anschluss. Mögliche Einsatzfelder der Technologie sind das mobile Bezahlen an der Tankstelle, aber auch die Steuerung der Preisanzeigen und der digitalisierten Werbetafeln.

DEKRA: Ladeinfrastruktur Elektromobilität

Ladestationen für Elektrofahrzeuge müssen nicht nur leistungsstark und universell einsetzbar sein. Sie müssen auch sicher sein. DEKRA engagiert sich seit Jahren für die Sicherheit von Ladesäulen sowie eine wachsende Ladeinfrastruktur. Denn was für Verbrennungsmotoren die Tankstelle ist, ist für Elektroautos die E-Zapfsäule.

Da nach den UVV (Unfallverhütungsvorschriften) lediglich Ladestationen in einwandfreiem Zustand in Betrieb genommen und betrieben werden dürfen, müssen Unternehmen diese regelmäßig auf ihre elektrische Sicherheit prüfen lassen – angefangen vom Ladestecker bis hin zur komplexen Ladesäule. Basis für die elektrische Sicherheit ist die Produktsicherheit der Ladeinfrastruktur entsprechend der geltenden Gesetze und Normen.

Unser Leistungsspektrum beinhaltet: zum Beispiel

  • CE-Konformitätsprüfungen
  • Prüfung elektrischer Sicherheit
  • Prüfung funktionaler Sicherheit
  • EMV-Prüfungen
  • Prüfung und Zertifizierung von Ladestationen und -geräten
Foto: DEKRA Automobil

DEKRA ist Pionier bei der Prüfung und Zertifizierung von Ladestationen und hat auf Basis langjähriger Erfahrung den ersten unabhängigen Prüf- und Zertifizierungsstandard speziell für Ladesäulen in der E-Mobility-Branche entwickelt. Das Programm umfasst die elektrische Sicherheit sowie den Nachweis über Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit.

Darüber hinaus führt DEKRA CE-Produktprüfungen und Zertifizierungen durch und unterstützt Hersteller bereits bei der Entwicklung neuer Produkte sowie beim gesamten Prozess zur Erfüllung der CE-Konformitätsprüfung.

Mehr Informationen erhalten Sie hier.

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