S-Pedelec: Mit Tempo 45 zur Arbeit

Ohne Stau zur Arbeit – das S-Pedelec könnte die Lösung sein. Unser Autor macht den Selbstversuch und steigt vom Auto um auf ein elektrisch betriebenes Bike der rasanten Art. 

Mit dem S-Pedelec kann ich Sport mit dem Arbeitsweg verbinden. Foto: Hans-Dieter Seufert

Mit dem S-Pedelec kann ich Sport mit dem Arbeitsweg verbinden. Foto: Hans-Dieter Seufert

Kilometerlange Staus auf dem Arbeitsweg sind Gift für die Motivation. Leider sind Staus auf dem Weg von Tübingen nach Stuttgart jeden Morgen Alltag. Und leider ist diese Strecke seit Kurzem mein Arbeitsweg. Die gut 30 Kilometer dauern schnell eine knappe Stunde. Es muss also eine Alternative zum Auto her, und glücklicherweise findet sich in der Garage schnell eine Lösung: Das Fahrrad. Doch ein einmaliger Versuch zeigt, dass mir 30 Kilometer samt gut 500 Höhenmetern für einen Weg zu anstrengend für jeden Arbeitstag sind.

Guter Rat ist teuer, und das ist in meinem Fall wörtlich gemeint. Ich fahre außerordentlich gerne Fahrrad, nur ist die Zeit dafür allzu oft knapp bemessen. Beides zu verbinden, nämlich den Sport mit dem Arbeitsweg, scheint mir optimal. Und wenn der Arbeitsweg für normale Fahrräder zu lang und beschwerlich ist, muss eben eine elektrische Unterstützung her. Nicht umsonst floriert derzeit das Geschäft mit E-Bikes in unvergleichlicher Weise. Nur dass die Unterstützung bei Tempo 25 aufhören muss, passt mir nicht ins zügige Pendel-Konzept. Glücklicherweise geben seit einigen Jahren S-Pedelecs bis Tempo 45 elektrisch Rückenwind. So eines soll es also sein. Den Geschwindigkeitsrausch im Fahrradformat gibt es freilich nicht zum Spartarif, mehr als 3.000 Euro müssen eingeplant werden.

Morgens setze ich den Akku frisch geladen in die Halterung. Foto: Hans-Dieter Seufert

Morgens setze ich den Akku frisch geladen in die Halterung. Foto: Hans-Dieter Seufert

S-Pedelec auf dem Radweg verboten

Die Routenplanung stellt mich vor weitere Herausforderungen. S-Pedelecs gelten als Kleinkrafträder und müssen haftpflichtversichert sein. Das merke ich nicht nur an Kennzeichen und Rückspiegel, sondern vor allem daran, dass ich keine Radwege benutzen darf. Zu Beginn ist das kein Problem, von meiner Haustür aus führt eine Straße bis zu Tübingens Waldhäuser Ost bergauf. Schon auf den ersten Metern begeistert die Kraft des Elektromotors, die Steigung ist im Nu überwunden. Bergab geht es weiter Richtung Bebenhausen. Die schöne Aussicht auf die altehrwürdige Klosteranlage weckt mich spätestens jetzt auf, wenn es nicht davor schon der schneidende Fahrtwind getan hat. Unten angekommen erwartet mich eine vielbefahrene Landstraße, parallel dazu verläuft ein breiter Radweg.

Eine Steigung ist mit dem S-Pedelec schnell und ohne Anstrengung überwunden. Foto: Hans-Dieter Seufert

Eine Steigung ist mit dem S-Pedelec schnell und ohne Anstrengung überwunden. Foto: Hans-Dieter Seufert

Meine erste Hürde: Hier darf ich mit dem S-Pedelec nicht fahren. Auf der Straße werde ich trotz 45 km/h schnell zum Verkehrshindernis, die Autos rauschen mit knapp 100 Sachen an mir vorbei. Richtig wohl fühle ich mich so nicht, aber zum Glück gibt es einen Ausweg durch den Wald. Spätestens kurz vor Stuttgart macht die zweirädrige Fortbewegung richtig Spaß. Im Auto stehe ich ab hier mehr als ich fahre, die letzten Kilometer über Leinfelden nach Vaihingen sind nervenraubend zäh. Ganz anders mit dem S-Pedelec: Ich fahre entspannt über gut ausgebaute Feldwege bis zum Bürogebäude, wo glücklicherweise eine warme Dusche auf mich wartet. Am Ende bin ich fünf Minuten später als mit dem Auto am Arbeitsplatz, aber das gleicht meine gute Laune wieder aus.

Die hohe Geschwindigkeit fordert dem Akku einiges ab. Über Nacht lade ich ihn in der Garage auf, doch reicht das nur für eine Strecke. Ich muss also auch im Büro laden, das schwere Ladegerät ist immer im Rucksack. Zwei vollständige Ladezyklen täglich sind auf Dauer schlecht für die Akkukapazität. Einige Hersteller gewähren 700 Ladezyklen oder zwei Jahre Garantie, was bei meiner Nutzung etwa dasselbe ist. Danach könnte Ersatz fällig sein, der je nach Fahrrad zwischen 500 und 1.000 Euro kostet.

Über Nacht lade ich den Akku an der Steckdose in der Garage. Foto: Hans-Dieter Seufert

Über Nacht lade ich den Akku an der Steckdose in der Garage. Foto: Hans-Dieter Seufert

Bis dahin gibt es hoffentlich auch neue Regelungen zur Nutzung von Radwegen. Zumindest außerhalb geschlossener Ortschaften sollten S-Pedelecs darauf fahren dürfen. Das wäre gut für die Sicherheit und könnte vielleicht noch mehr Pendler zumindest bei Sonnenschein aufs Fahrrad bringen. Denn zeitlich kann das Fahrrad mithalten: Fünf Minuten mehr Fahrzeit und eine Viertelstunde für duschen und umziehen sind für mich angenehmer, als dieselbe Zeit im Stau zu stehen.

Fazit: Für gutes Wetter

Mit dem S-Pedelec unterwegs: Wenn es regnet, schneit und stürmt sind Wechselklamotten Pflicht, die Bürokleidung muss als in einen Rucksack passen. Bei gutem Wetter hingegen ist ein S-Pedelec eine prima Alternative zum Auto, und zumindest in meinem Fall auch bei der Fahrzeit absolut konkurrenzfähig. Wie lange der Akku den täglichen Ladestress mitmacht, muss die Zeit zeigen.

Das Display am Lenker des S-Pedelec zeigt die Geschwindigkeit sowie Kilometer- und Akkustand an. Foto: Hans-Dieter Seufert

Das Display am Lenker des S-Pedelec zeigt die Geschwindigkeit sowie Kilometer- und Akkustand an. Foto: Hans-Dieter Seufert

Boom E-Bike

E-Bikes werden immer beliebter. Nach Angaben der aktuellen eBike-Marktstudie von Bosch waren in Deutschland knapp fünf Prozent der rund 73 Millionen Fahrräder E-Bikes, Anteil steigend. Verglichen mit den Zahlen des Vorjahres zeigt dies einen Zuwachs von rund zwölf Prozent.

Als täglicher Begleiter im Straßenverkehr wurde das E-Bike längst entdeckt. Jeder zweite Deutsche legt weniger als zehn Kilometer zur Arbeit zurück. Auf diesen Strecken hat sich das E-Bike für viele als gute Alternative zum Auto gezeigt. Dies unterstützt die Ergebnisse von Bosch: jedem Dritten sei es wichtig, das E-Bike zum Pendeln einzusetzen.

Auch die Politik fördert den Radverkehr. Das Ziel laut Bundesverkehrsministeriums (BMVI): den Radverkehrsanteil bis 2020 von derzeit 12 auf 15 Prozent zu steigern.

Was viele noch am Umstieg aufs E-Bike hindert, ist die Verkehrslage. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) gab die fast Hälfte der Befragten der Studie „Fahrrad-Monitor 2017“ an, sich auf dem Rad im Straßenverkehr nicht sicher zu fühlen.

Sicherer unterwegs auf dem E-Bike

Um die Verkehrssicherheit von E-Bikern zu erhöhen, hat Bosch ein Antiblockiersystem (ABS) für E-Bikes entwickelt. Außerdem rät Jochen Hof, Fahrradexperte von der Sachverständigenorganisation DEKRA, sich langsam an das Handling eines E-Bikes zu gewöhnen, um sicher unterwegs zu sein. Zusätzlich empfiehlt DEKRA dringend, einen Helm zu tragen. Auch helle auffällige Kleidung und eingeschaltetes Licht helfen dabei, in der Dämmerung besser gesehen zu werden. Doch auch die anderen Verkehrsteilnehmer müssen umdenken, da die E-Bikes schneller unterwegs sind und anders eingeschätzt werden müssen als herkömmliche Fahrräder. Besondere Wachsamkeit gilt hier an Kreuzungen sowie beim Abbiegen und Anfahren.

Rechtliche Aspekte

Welche Unterschiede gibt es zwischen einem normalen Pedelec und einem S-Pedelec?
Während ein herkömmliches Pedelec laut Gesetzgeber nur bis 25 km/h die Tretkraft des Fahrers unterstützen darf, gibt ein S-Pedelec bis Tempo 45 elektrisch Rückenwind.

Welche Vorschriften gelten für schnelle S-Pedelecs?
S-Pedelecs gelten als Kleinkrafträder und müssen daher wie ein 50-Kubik-Roller haftpflichtversichert sein. Außerdem müssen sie mit Kennzeichen und Rückspiegel ausgestattet sein.

Gibt es besondere Regeln beim Fahren?
Zunächst darf ein S-Pedelec nur fahren, wer mindestens einen Mofa-Führerschein besitzt. Außerdem muss ein geeigneter, in den Richtlinien allerdings nicht näher definierter Schutzhelm getragen werden. Doch damit nicht genug: Die schnellen Elektrobikes sind auf reinen Fahrradwegen tabu. Wenn nicht per Zusatzschild Mofas freigegeben sind, müssen die Zweiräder auf die normale Straße ausweichen.

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