Logistik – ein Wirtschaftszweig der Superlative

Transportgiganten in der Schifffahrt, ein knapp hunderttausend Tonnen schwerer Zug oder Verkehrswege aus Eis und Schnee: Die Logistikbranche glänzt mit spektakulären Innovationen.

Die Logistik steht für innovative Dienstleister, die rund um den Transport, die Lagerung und Kommissionierung von Waren ein ganzheitliches Konzept anbieten. Foto: Fotolia - alphaspirit

Die Logistikbranche bietet heutzutage rund um den Transport, die Lagerung und Kommissionierung von Waren ganzheitliche Konzepte an. Foto: Fotolia – alphaspirit

Die Ursprünge der Logistik liegen eigentlich im militärischen Bereich. Die erste bekannte Definition stammt vom byzantinischen Kaiser Leontos VI., der um 900 nach Christus in seinem Werk „Summarische Auseinandersetzung der Kriegskunst“ schrieb: „Sache der Logistik ist es, das Heer zu besolden, sachgemäß zu bewaffnen und zu gliedern, es mit Geschütz und Kriegsgerät auszustatten, rechtzeitig und hinlänglich für seine Bedürfnisse zu sorgen und jeden Akt des Feldzugs entsprechend vorzubereiten, das heißt, Raum und Zeit zu berechnen, das Gelände in Bezug auf die Heeresbewegungen sowie des Gegners Widerstandskraft richtig zu schätzen und diesen Funktionen gemäß die Bewegung und Verteilung der eigenen Streitkräfte zu regeln und anzuordnen, mit einem Wort zu disponieren.“

Seither hat sich eine Menge getan. Heutzutage steht die Logistik für innovative Dienstleister, die rund um den Transport, die Lagerung und Kommissionierung von Waren ein ganzheitliches Konzept anbieten. Damals wie heute kennzeichnet die Branche spektakuläre Neuerungen.

Innovationen in der Logistikbranche

Die längste Eisenbahn

Der längste und schwerste Güterzug aller Zeiten verkehrte am 21. Juni 2001 bei einem Testlauf in Australien. Die Bergbaugesellschaft BHP Billiton schickte einen aus acht dieselelektrischen Lokomotiven und 682 Erzwagen gebildeten Zug auf die Reise, um ihre Mehrfachsteuerung zu testen. Alle acht Lokomotiven wurden über einen Großteil der Strecke über Funk von einem einzigen Lokführer gesteuert. Der 99.732 Tonnen schwere und 7,353 Kilometer lange Zug legte die 426 Kilometer lange Strecke von den Minen zum Hafen Port Hedland in zehn Stunden zurück. Insgesamt transportierte er 82.000 Tonnen Eisenerz an Ladung.

Transportgiganten in der Schifffahrt

Sage und schreibe 17.280 Tonnen schwer war der Transport, den der britische Schwerlastspezialist ALE 2017 durchführte. Verladen wurde die 2014 vor der Südwestküste Südkoreas gekenterte und im Jahr 2017 geborgene Fähre „Sewol“. Dazu dienten die selbstfahrenden Plattform-Modultransporter mit 600 Achslinien der zur TII Group gehörenden Unternehmen Scheuerle aus Pfedelbach bei Heilbronn und Kamag aus Ulm. Zunächst wurde das Gewicht der Fähre auf 11.000 bis 13.000 Tonnen geschätzt. Schnell stellte sich aber heraus, dass durch Schlick- und Wassereinlagerungen das tatsächliche Gewicht bei über 17.000 Tonnen liegen musste.

Auf den zugefrorenen Flüssen der Tundra sind Verkehrswege aus Eis und Schnee errichtet. Foto: getty images / Johnny Haglund

Auf den zugefrorenen Flüssen der Tundra sind Verkehrswege aus Eis und Schnee errichtet. Foto: getty images / Johnny Haglund

Infrastruktur unter Extrembedingungen

Im Norden Sibiriens baut man Straßen nicht aus Beton oder Asphalt. Vielmehr setzt man auf „Väterchen Frost“ und errichtet auf den zugefrorenen Flüssen und Sümpfen der Tundra Verkehrswege aus Eis und Schnee – sogenannte Simniks nach dem russischen Wort „Sima“ für Winter. In Sibirien verläuft daher auch eine der härtesten und kältesten Straßen der Welt. Sie wird erst befahrbar, wenn die Temperatur unter –30°Celsius sinkt. In der Republik der Jakuten zum Beispiel gibt es die strengsten Fröste, unter denen Menschen leben, mit –60°Celsius und kälter. Die Erde ist viele Meter tiefgefroren und taut im Sommer nur an der Oberfläche auf. Eine echte logistische Herausforderung.

Kooperation: ganzheitliche Logistiklösung für Gründer

DHL Global Forwarding hat in Berlin im April 2018 einen auf die Bedürfnisse von Start-ups zugeschnittenen Helpdesk eröffnet. Gründer und expandierende Jungunternehmen erhalten dabei weltweit Unterstützung rund um die Themen Logistik und Entwicklung von Supply-Chains, um so auch über die Grenzen Deutschlands hinaus erfolgreich zu werden. Ein Beispiel hierfür ist das Berliner Unternehmen Bonavi. Die Logistikprofis des DHL-Start-up-Helpdesks haben für den Hersteller von Premium-Kinderwagen eine multimodale Supply-Chain-Lösung aufgesetzt, die den Transport per Schiene, Luft- und Seefracht abdeckt. Die hochwertigen Kinderwagen werden direkt von der chinesischen Produktionsstätte in Voll-Container verladen und mit dem Zug innerhalb von 21 Tagen nach Deutschland transportiert. Damit das junge Unternehmen nicht direkt bei der Einfuhr der Ware die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent des Warenwerts zahlen muss, wurde beim Zoll ein Aufschubkonto beantragt. Für den eiligen Musterversand zwischen China und Deutschland kommt DHL Express zum Einsatz, die Versorgung mit Ersatzteilen und Zubehör stellt DHL Global Forwarding per Luftfracht sicher. Die Distributionslogistik sowie die Auslieferung an den Endkunden erfolgen vom Hamburger Lagerstandort aus mit DHL Paket.

Megaprojekt: die Neue Seidenstraße

Bis zum Jahr 2049 soll das interkontinentale Infrastrukturnetz Neue Seidenstraße entstehen. Durch die Initiative „Belt and Road“, die 2013 begann, sollen Asien, Europa und Afrika wirtschaftlich stärker zusammenwachsen. Mehr als 900 Projekte in über 65 Ländern sind in diesem Zeitraum geplant. Sowohl auf dem Landweg als auch auf den Seewegen sollen ­­Handelsverbindungen entstehen. In Anknüpfung an die legendäre Seiden­straße hat China das Projekt zum Kernpunkt der eigenen Entwicklungspolitik erklärt. Bereits bis zum Jahr 2025 soll das chinesische Handelsvolumen mit den Ländern entlang der Neuen Seidenstraße bei etwa 2,5 Billionen US-Dollar liegen. Allein zwischen 2016 und 2017 stieg das Handelsvolumen um 18 Prozentpunkte.

Die Logistikprofis des DHL-Start-up-Helpdesks haben für den Hersteller von Premium-Kinderwagen eine Supply-Chain-Lösung aufgesetzt, die den Transport per Schiene, Luft- und Seefracht abdeckt. Foto: DHL / Rüdiger Nehmzow Der britische Schwerlastspezialist ALE 2017 führte einen 17.280 Tonnen schweren Transport aus. Foto: ALE Heavylift Der längste Güterzug aller Zeiten verkehrte am 21. Juni 2001 bei einem Testlauf in Australien und maß ganze 7,4 Kilometer. Foto: Big pictures australia / Action press Bis zum Jahr 2049 soll das interkontinentale Infrastrukturnetz Neue Seidenstraße entstehen. Foto: Lao Qiang

Die Top-10-Logistik-Länder im Jahr 2018

Mit dem Logistics Performance Index bewertet die Weltbank seit Jahren die Leistungsfähigkeit der Logistik in 160 Ländern auf einer Skala von 1 (niedrig) bis 5 (hoch). Entscheidende Kriterien sind dabei die Leistungsfähigkeit der Zollabfertigung, die Qualität der Handels- und Transportinfrastruktur, der Zugang zu wettbewerbsbestimmten Preisen für internationale Verladungen, die Logistikkompetenz und Qualität der Logistikdienstleistungen, das Tracking und Tracing von Sendungen sowie die Pünktlichkeit der Sendungen. Der Index basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage unter rund 900 Logistikern und wurde im Rahmen des Weltbankberichts „Connecting to Compete – Trade Logistics in the Global Economy – 2018“ veröffentlicht. Und so sieht das Ranking aus:

1. Deutschland (4,2)
2. Schweden (4,05)
3. Belgien (4,04)
4. Österreich (4,03)
5. Japan (4,03)
6. Niederlande (4,02)
7. Singapur (4,0)
8. Dänemark (3,99)
9. Vereinigtes Königreich (3,99)
10. Finnland (3,97)

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