Easy parken

Ob Smartphone, Auto oder Straßenlampe: Digitale Helfer im Parkraum-Management unterstützen Autofahrer dabei, einfach und schnell einen Stellplatz zu finden.

Durch die Vernetzung von Autos und smarten Straßenlampen mit einer Cloud wird der Parksuchverkehr besser gesteuert. Foto: Shutterstock – metamorworks; Montage: Frieser

Durch die Vernetzung von Autos und smarten Straßenlampen mit einer Cloud wird der Parksuchverkehr besser gesteuert. Foto: Shutterstock – metamorworks; Montage: Frieser

Die Städte ersticken im Verkehrschaos, die Autofahrer verzweifeln bei der Parkplatzsuche: Durchschnittlich 41 Stunden im Jahr verbringt jeder Deutsche laut einer INRIX-Studie mit der Suche nach einem Stellplatz. Das kostet nicht nur Geld, sondern trägt außerdem zu höheren CO2-Emissionen in den Städten bei.

Eine Lösungsmöglichkeit bietet das Parkraum-Management, mit dessen Hilfe Parkflächen bestmöglich ausgenutzt, innerstädtischer Verkehr reduziert und der Parksuchverkehr besser gesteuert werden können. Bernd Bienzeisler vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO begleitet Städte bei der Planung und Einführung von Parkraum-Management und sagt: „In Zukunft werden vor allem digitale Lösungen im Parkraum-Management entscheidend dabei sein, den Verkehrsfluss und die Nutzung von Stellplätzen zu regulieren.“ Dabei helfen bereits jetzt Smartphone, Auto und Straßenlampe.

Smart parken

Mithilfe von Park-Apps auf dem Smartphone findet man nicht nur freie Stellplätze auf der Straße und in Parkhäusern, sondern bezahlt die Parkgebühren bargeldlos und verlängert im Notfall auch von unterwegs die Parkdauer. Zudem fallen eine Menge Daten an, die für die Verbesserung des Parkraum-Managements genutzt werden können. Mittlerweile können Fahrer zwischen diversen Anbietern wählen. Damit die Nutzer jedoch nicht für jede Stadt eine andere App herunterladen müssen, gibt es Mehrbetreibermodelle, die die Städte einführen können, um die Nutzung für Besucher und Bewohner einfach zu halten. Führende Anbieter haben sich hierzu inzwischen in der Initiative „smartparking“ zusammengeschlossen, um Städte bei der Einführung zu unterstützen.

Autofahrer können sich freie Parkplätze über das Navigationssystem anzeigen lassen. Foto: Bosch

Autofahrer können sich freie Parkplätze über das Navigationssystem anzeigen lassen. Foto: Bosch

Auch das Auto wird dank neuer Technologien zum smarten Helfer bei der Parkplatzsuche: Bosch hat bereits vor rund drei Jahren das sogenannte Community-based Parking vorgestellt. Hierbei scannen die Ultraschallsensoren der Parkassistenten im Auto während der Fahrt den Straßenrand und erkennen Parklücken. Eine Kommunikationsschnittstelle im Auto sendet die Infos an den jeweiligen Fahrzeughersteller, die die Daten an die Bosch IoT Cloud weiterleiten. Hier werden die Daten aufbereitet, in eine digitale Parkplatzkarte eingetragen und anschließend anderen Fahrern zur Verfügung gestellt. Die Infos können sich die Fahrer in ihrem Auto über das Navigationssystem anzeigen lassen. Ähnlich funktioniert die digitale Lösung zum On-Street-Parken, die Continental auf der IAA 2019 vorgestellt hat.

Jedoch sind nicht in jedem Auto Ultraschallsensoren verbaut, die solche Informationen sammeln. Funktioniert das System trotzdem für alle? „Wenn drei bis fünf Prozent der Fahrzeuge im Straßenverkehr über die Technologie verfügen, erhält man statistisch verlässliche Daten“, sagt Bienzeisler. Viel interessanter sei jedoch, was mit den Daten passiert, wo sie landen und wem sie letztendlich gehören. Bienzeisler rechnet damit, dass es hier in den kommenden Jahren zu einer völlig neuen Zusammenarbeit zwischen Autoherstellern, Städten, Parkplatzanbietern und Mobilitätsdiensten kommen dürfte.

Parkraum bedarfsgerecht steuern

Continental hat bereits eine Möglichkeit gefunden, sich die Daten zu sichern: Alle Fahrer, die ihre gesammelten Echtzeit-Infos über die Datenplattform teilen, werden dafür bezahlt. Daher auch der Name „Earn as you ride“. Auch was die Infrastruktur angeht, hat Continental eine intelligente Lösung unter anderem für das Parkraum-Management entwickelt – die sogenannte Infrastructure-2-Vehicle-Kommunikation (I2V). Nach Angaben von Continental lassen sich virtuelle Umfeldmodelle von Kreuzungen erstellen, die gefährliche Situationen im Straßenverkehr frühzeitig erkennbar machen. Gleichzeitig sammelt die intelligente Straßenlampe Echtzeit-Daten zu freien Parkplätzen.

Laut Bienzeisler funktionieren sowohl die mobilen als auch die fest verbauten Systeme gut. Doch seien die lokal installierten präziser. Doch wie wird die Zukunft des Parkens nun aussehen? „Meines Erachtens wird die größte Veränderung beim Parken darin liegen, dass die Städte durch Echtzeitdaten in der Lage sein werden, den Parkraum bedarfsgerecht zu steuern. Damit können sie städtische Mobilität insgesamt stark beeinflussen.“ Zum Beispiel könnten die Kommunen laut einer Studie des Fraunhofer IAO öffentlichen Raum neu verteilen, Parkflächen ausweisen oder Parkplätze reduzieren.

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