Gemeinsam für eine grüne Energie

Wasserstoff galt lange Zeit als Nischentechnologie. Neue internationale Allianzen wollen jetzt für eine grüne Zukunft der Energieversorgung in vielen Branchen sorgen.

Foto: Shutterstock - Alexander Kirch

Foto: Shutterstock – Alexander Kirch

Schon lange ist Wasserstoff Hoffnungsträger für eine klimafreundliche Industrie. Schließlich bringt das einfachste Element im chemischen Periodensystem seit Jahrzehnten nicht nur Raketen zum Fliegen und treibt U-Boote an. Wasserstoff gilt schon länger als das Erdöl von morgen, litt aber jahrzehntelang unter dem Ruf, in der Herstellung zu aufwändig und zu teuer zu sein. Weil Wasserstoff bisher fast ausschließlich aus fossilen Energiequellen gewonnen wird, konnte sich die Technologie in keiner Branche richtig durchsetzen.

Beispiel Kfz-Industrie: Gerade einmal knapp über 25.000 Fahrzeuge wurden laut der Internationalen Energieagentur IEA bis Ende 2019 weltweit mit Wasserstoff betankt. Angetrieben werden diese Fahrzeuge (FCEV, fuel cell electric vehicle) mit Elektromotoren, die ihren Strom aus einer mit Wasserstoff gespeisten Brennstoffzelle beziehen. Bei der Umwandlung gehen allerdings große Teile der Energie verloren, es bleibt ein Wirkungsgrad von etwa 30 Prozent.

Wasserstoff, H2. Foto: Fabian Techel

Foto: F. Techel

„Wasserstoff-Technologien erschwinglich und kommerziell machen.“

Ob Fahrzeugbau, Chemie, Schifffahrt oder auch Stahlproduktion, überall das gleiche Bild. „Wir brauchen eine Politik, die es ermöglicht, Wasserstoff-Technologien erschwinglich und kommerziell zu machen“, fordert Aditya Mittal, Finanzchef des größten Stahlproduzenten der Welt, Arcelor-Mittal, und trifft offenbar einen Nerv. Denn auch die Politik denkt um. Zum Beispiel hat die deutsche Bundesregierung gerade in einer nationalen Wasserstoffstrategie sieben Milliarden Euro bereitgestellt und spricht dabei ausdrücklich von einer europäischen Kooperation zur Entwicklung einer Wasserstoff-Infrastruktur. Auch der weltweit größte Stahlproduzent ArcelorMittal hat für einen Testlauf im Hamburger Werk einen internationalen Partner gefunden: Die Stadt Hamburg beteiligt sich an den rund 65 Millionen Euro Kosten, damit dort ab 2023 jährlich gut 100.000 Tonnen „grüner Stahl“ hergestellt werden können.

Es sind internationale Allianzen wie diese – ob rein private oder mit der öffentlichen Hand – und junge Start-Ups, die zum Treiber für die Entwicklung der Wasserstoff-Technologie im industriellen Maßstab werden. In Dänemark zum Beispiel hat sich die weltgrößte Reederei Maersk mit dem Kopenhagener Flughafen und Logistikern wie DFDS und DSV Panalpina zusammengetan, um bis 2030 stufenweise Elektrolyseanlagen für die Wasserstoff-Gewinnung zu errichten. Die Anlage könnte die jährlichen CO2-Emissionen um 850.000 Tonnen reduzieren. In den Niederlanden plant Shell zusammen mit dem Gasnetzbetreiber Gasunie den Bau eines Mega-Windparks, der bis zu vier Gigawatt Strom liefern soll, der direkt von einem Elektrolyseur zu grünem Wasserstoff verarbeitet wird.

„Produktion von wirklich grünem Wasserstoff “

In Norwegen werden 98 Prozent des Stroms aus Wasser, Wind und Sonne gewonnen. Ideale Voraussetzungen für die Produktion von wirklich „grünem Wasserstoff“. Norsk e-Fuel AS, ein europäisches Industriekonsortium mit Sitz in Oslo, hat angekündigt, mit internationalen Partnern eine Anlage zu bauen, die nicht nur Wasserstoff herstellt. Dieser soll auch mit aus der Luft gewaschenem CO2 zu Methan verarbeitet werden – die Basis für nahezu jeden Kraftstoff. Am Projekt beteiligt ist neben dem deutschen Start-Up und Elektrolyse-Spezialisten Sunfire auch der luxemburgische Maschinen- und Hochofenbauer Paul Wurth SA. Als neuer Sunfire-Investor ist indirekt auch der finnische Weltmarktführer für erneuerbaren Diesel, Neste Oyj, beteiligt. Schon in fünf Jahren soll die Anlage jährlich 100 Millionen Liter synthetischen Kraftstoff, E-Fuel, liefern, der in Motoren als Ersatz für Benzin, Diesel und Kerosin verbrannt wird.

Wasserstoff, H2. Foto: Fabian Techel

Foto: F. Techel

Daimler Trucks und die Volvo-Group setzen dagegen für ihre Nutzfahrzeuge auf die Brennstoffzelle und wollen die Technologie in einem gemeinsamen Joint-Venture vorantreiben. Aufbruchstimmung herrscht auch beim Motorenhersteller Deutz, der gemeinsam mit der noch jungen Keyou GmbH aus Unterschleißheim in Deutschland den Motor Hydrogen TCD 7.8 entwickelt hat. Er verbrennt direkt Wasserstoff und gilt als Alternative zum Diesel bei Nutzfahrzeugen. Der Motor erfüllt bereits die EU-Vorgaben für einen Zero-Emission-Verbrenner und soll 2022 serienreif sein. Die verschiedenen Allianzen zeigen, dass die Wasserstoffproduktion im Aufbruch ist. Die bisherige Nischentechnologie könnte womöglich schon in naher Zukunft zum nachhaltig gewonnenen Standard werden.

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